Národní divadlo, Prag

Blumen, Öffnungen im Raum und das laute Schweigen

Christof Loy seziert Debussys «Pelléas et Mélisande» messerscharf und schmerzlich. Star ist der ratlose Dritte: Pavol Kubáň als Golaud

Roland H. Dippel • 17. Oktober 2026

Lautes Schweigen und das Sprechen der Körper: David Oller (Pelléas), Arnheiður Eiríksdóttir (Mélisande) © Petr Neubert
Lautes Schweigen und das Sprechen der Körper: David Oller (Pelléas), Arnheiður Eiríksdóttir (Mélisande) © Petr Neubert

Erinnerung oder Rückblende: Am Ende liegen zwei Wolldecken da wie zu Beginn, als der Witwer Golaud sie schweigend auf Kante strich. In die eine wickelt sich knapp vier Stunden später die ihr Erinnerungsvermögen verlierende Mélisande. Die andere bedeckt Golauds Halbbruder Pelléas, den dieser mit einem einzigen, für beide qualvollen Messerstoß und einer letzten Umarmung ermordete. – Claude Debussys «Pelléas et Mélisande», in den letzten Jahrzehnten ein fast immer glänzend exekutiertes Lieblingsstück von Regie-Größen wie Brigitte Fassbaender, Jean-Pierre Ponnelle, David Pountney, Robert Wilson und Christoph Nel, wurde früher gern als „Anti-Tristan“ missverstanden: als eine filigrane Deklamation ohne Wagners unendliche Melodie und als ein vermeintliches Nicht-Drama der zu le…